Antibiotika sind bei Patienten mit Immundefekten ein wertvoller Bestandteil der Behandlung. Sie werden bei akuten bakteriellen Infektionen – manchmal sogar vorbeugend – eingesetzt und vermindern die Häufigkeit und Schwere von Infektionen. Eine fehlerhafte Anwendung kann jedoch zu Resistenzen der Bakterien führen und einen Therapieerfolg gefährden.

Lesen Sie hier, wie Antibiotika wirken und worauf Sie bei der Einnahme achten sollten.

Funktionsweise von Antibiotika

Seit Entdeckung der Antibiotika vor etwa 100 Jahren wurden viele unterschiedliche Antibiotikaklassen entwickelt, deren Vertreter jeweils spezifisch auf Bakterien einwirken (z. B. durch Eingriff in ihren Stoffwechsel). Grundsätzlich lassen sich zwei Wirkweisen unterscheiden:

  • Antibiotika mit bakteriostatischer Wirkweise (sog. Bakteriostatika) hemmen die Vermehrung der Bakterien, töten sie jedoch nicht ab.
  • Antibiotika mit bakterizider Wirkweise (sog. Bakterizide) töten die Bakterien. 

Die Auswahl eines Antibiotikums durch den Arzt oder die Ärztin richtet sich nach den Eigenschaften (z. B. Aufbau der Zellwand) der bakteriellen Erreger, die bekämpft werden sollen. Manche Antibiotika wirken sehr gezielt gegen wenige Bakterienarten, während die sogenannten Breitbandantibiotika eine Vielzahl verschiedener Bakterien bekämpfen können. 
 

Resistenz: Wenn das Antibiotikum nicht mehr wirkt

Bakterien können im Verlauf der Therapie resistent gegen das eingesetzte Antibiotikum werden. Der Wirkstoff ist dann nicht mehr in der Lage, die Bakterien abzutöten oder ihre Vermehrung zu hemmen. Das Antibiotikum und eventuell auch andere Antibiotika mit ähnlichem Wirkprinzip sind nun wirkungslos. 

Resistenzen entwickeln sich aufgrund der verstärkten Verschreibung von Antibiotika und dem vermehrten Einsatz von Breitbandantibiotika. Dabei besteht auch die Gefahr, dass sich sogenannte multiresistente Bakterien entwickeln. Diese sind gegen mehrere unterschiedliche Antibiotika unempfindlich.

Einsatz von Antibiotika bei Patient:innen mit Immundefekt

Bei der Behandlung von Patient:innen mit Immundefekt können Antibiotika sehr hilfreich sein. Ob und wie sie eingesetzt werden, richtet sich nach folgenden Fragestellungen:

  • Wie schwerwiegend ist der Immundefekt? Besteht ein schwerer Immundefekt mit einem ausgeprägten Antikörpermangel, kann eine antibiotische Prophylaxe (zur Vorbeugung von Infektionen) verordnet werden. Sie kommt insbesondere dann in Betracht, wenn ein Patient trotz Behandlung mit Immunglobulinen an wiederkehrenden Infektionen mit dem gleichen bakteriellen Erreger leidet . Auch bei Patienten mit einem milden Antikörpermangel, die keine Immunglobulin-Ersatztherapie erhalten, umfasst der Therapieplan häufig ein Antibiotikum zur Infektionsprophylaxe. 
  • Wie schwer ist die Infektion? Bei milden Infektionen unterbleibt in der Regel eine Antibiotikatherapie. 

Tipps für die Einnahme von Antibiotika 

  • Verzichten Sie auf den Konsum von Alkohol. Dieser kann in Kombination mit einigen Antibiotika zu Kopfschmerzen oder auch Herzrhythmusstörungen führen.
  • Manche Antibiotika können sich mit Kalzium aus Milchprodukten verbinden und so an Wirkung verlieren. Vermeiden Sie Milchprodukte oder halten Sie einen zeitlichen Abstand von mindestens zwei Stunden zur Einnahme von Antibiotika ein.
  • Vereinzelt treten bei einer antibiotischen Behandlung Magen-Darm-Beschwerden auf. Auch allergische Hautreaktionen oder Juckreiz sind möglich. Wenden Sie sich bei Nebenwirkungen an Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin.