Der selektive IgA-Mangel (SIgAD) ist eine der häufigsten angeborenen Erkrankung des Immunsystems. Selektiv bedeutet, dass nur das Immunglobulin A (IgA) in verminderter Konzentration vorliegt, während die Werte anderer Antikörper wie IgM oder IgG im Normbereich liegen. Fehlt dem Körper IgA, kann dies sehr unterschiedliche Folgen haben: Einige Betroffene erkranken häufiger, während andere einen IgA-Mangel nie bemerken. 

Lesen Sie hier, welche Symptome auftreten können und wie ein IgA-Mangel behandelt werden kann.
 

Wie äußert sich ein selektiver IgA-Mangel?

Das Immunglobulin IgA kommt vor allem in den Absonderungen (Sekreten) der Schleimhäute vor, wo es Erreger abwehrt. Schleimhäute befinden sich im Mund- und Rachenraum, aber beispielsweise auch in Ohren, Nase und Augen oder im Magen-Darm-Trakt. Daher treten bei einem IgA-Mangel vor allem Infektionen der Atemwege (z. B. Nasennebenhöhlen- oder Lungenentzündungen) oder auch Magen-Darm-Erkrankungen (u. a. Durchfall) auf.

Schätzungsweise rund 25 bis 50 Prozent der Menschen mit einem IgA-Mangel entwickeln Symptome. Außerdem erkranken 25 bis 33 Prozent der Betroffenen an einer Autoimmunerkrankung wie beispielsweise der rheumatoiden Arthritis. Auch Allergien können vermehrt vorkommen . 

Wie entsteht ein selektiver IgA-Mangel?

Die Ursache für einen IgA-Mangel ist bislang nicht bekannt. Ebenso ist unklar, warum einige Betroffene keinerlei Symptome entwickeln und andere sehr häufig an Infektionen erkranken. Rund 20 Prozent aller Betroffenen erben den Mangel von ihren Eltern. In einigen Familien kommen gleichzeitig auch andere angeborene Immundefekte gehäuft vor . 
Expert:innen diskutieren, ob ein IgA-Mangel durch Funktionsstörungen der T- und/oder B-Zellen auftreten kann. 
 

Wie wird ein selektiver IgA-Mangel diagnostiziert?

Ein erster Verdacht für einen selektiven IgA-Mangel wird meist durch auftretende Symptome gestellt. Mithilfe eines Bluttests kann die Konzentration von IgA bestimmt werden. Liegt diese unter einem bestimmten Schwellenwert und zeigen sich gleichzeitig normale Konzentrationen an IgG und IgM, kann dies den Verdacht erhärten. Gleichzeitig sollten auch weiterführende Tests (wie z. B. ein großes Blutbild) durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen und auszuschließen, dass andere Immundefekte vorliegen . 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einem selektiven IgA-Mangel?

Eine Immunglobulin-Ersatztherapie, die bei vielen Antikörpermangel-Erkrankungen zum Einsatz kommt, enthält nur Immunglobuline der Klasse G (IgG) und ist daher bei einem selektiven IgA-Mangel nicht wirksam. Eine Behandlung mit IgA von gesunden Spendern, um einen Mangel auszugleichen, ist noch nicht möglich. Aktuell kommen daher Antibiotika zum Einsatz , entweder vorbeugend oder bei akuten Infektionen.